Samstag, 18. Juni 2005

Mehrspurige Kraftfahrzeuge im Großstadtverkehr

Nachdem ich nach mehrmonatiger Abstinenz durch technische Zwänge wieder einmal hinter das Steuer eines PKW musste, um damit zwei je drei Meter lange und zusammen 60 Kilo schwere Holzbalken zu transportieren sei hiermit gesagt:

Lieber, ja viel, viel lieber, hätte ich diese Balken auf meinem Rücken vom Baumarkt bis ins heimische Wohnzimmer geschleppt, als mir diesen unfassbaren Horror eines mehrstündigen Blechstaus anzutun.
Aber die Zeit heilt so manche Wunde, und so habe ich auch diesmal meine diesbezüglich durchaus umfangreichen Erfahrungen mit dem Gedanken "es wird schon nicht so schlimm sein" unterbewertet. Selber schuld, keine Frage.

Und so bin ich blauäugiger Optimist abermals unter vielen anderen auch auf der Wiener Ringstraße gestanden und habe die zahlreichen Touristen dabei beobachtet, wie sie trotz ergiebiger Fotopausen zu Fuß erheblich rascher weiter gekommen sind als ich mit meinem geborgten VW Passat inkl. zweier Holzbalken.

Der PKW ist im urbanen Nahverkehr schlicht und einfach ein Fehler, ein Irrtum und ein Übel, an das wir uns einfach nur schon viel zu lange gewöhnt haben und deshalb glauben, dass die damit verbundenen Strapazen ja gar nicht so schlimm sind.
Und diese Leute, die mir immer erzählen, dass sie "eigentlich eh immer irgendwie einen Parkplatz finden", erscheinen mir wie jene sprichwörtlichen Einäugigen Heros in einem Volk von Blinden.

Die Besetzungsdichte der Wiener PKW beträgt im statistischen Mittel 1,25 Personen. Diejenige der Wiener Motorräder ist etwa gleich hoch und ließe sich sogar auf 2 erhöhen, wobei der Parkraumbedarf um einen Faktor 4-5 geringer ausfällt.
Mit einem Motorrad kann man keine 3 Meter langen Balken transportieren? Stimmt, genau deshalb borge ich mir ca. 1x/Jahr ein Auto aus. Den Rest des Jahres wundere ich mich, wie viel Zeit Menschen in ihren überdimensionierten Blechkisten (auch ein Smart ist für 1,25 Personen weit überdimensioniert) versitzen, ohne sich dabei nennenswert fortzubewegen und diese Tatsache auch noch als eine Art Naturgesetz hinnehmen, an der man nun einmal nichts ändern kann.

Es ist, als hätten sich unsere Vorfahren dafür entschieden, auf ihren Bäumen sitzen zu bleiben, einfach weil man da ja so bequem sitzt, obwohl es unter ihren Füßen bereits fertige Häuser mit Heizung und Dusche gibt.
Aber es gibt ja auch Menschen, die sich nicht von ihrer Nasen-Warze trennen können, weil sie sich schon so an sie gewöhnt haben...

 
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Aktualisiert: 07.04.20 11:16
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