Dienstag, 11. November 2008
Von der statistischen Wichtigkeit des männlichen Fortpflanzungsorgans
14776.
Das war die Zahl der E-Mails in meinem Spam-Ordner, nachdem ich ihn gut drei Monate unbeachtet ließ.

Nicht übel.
Ich habe das zum Anlass genommen, einen groben Überblick über die durchschnittlichen Inhalte der subject-Zeilen zu gewinnen und dabei festgestellt, dass auch bei einem derart guten statistischen Sample zu mehr als 90% ein Thema die Spam-Inhalte beherrscht:
Das männliche Fortpflanzungsorgan.

Nun ist es ja nicht so, dass Spam-Mails einfach Unsinn sind, die ohnehin niemand liest, sondern die großen Spam-Versender sehr wohl eine Menge Geld damit anhäufen.
Das Gesetz der großen Zahl ist hier unbestechlich: Wenn man etwas bei einer genügend großen Anzahl Menschen versucht, wird man zumindest bei einigen damit erfolgreich sein. Trotzdem erhöht sich die Trefferquote natürlich, wenn man etwas versucht, das bei möglichst vielen Menschen Interesse weckt.

Und die Gesetze der Marktwirtschaft, die in diesem Fall so gut funktionieren wie die Regeln der biologischen Evolution, sorgen durch die extrem kurze "Generationszeit" von Spam-Mails für eine sehr effiziente Auslese, die bedingt, dass wirklich nur die Fittesten überleben.

Eben deshalb liegt der Schluss nahe, dass das Interesse rund um das männliche Fortpflanzungsorgan tatsächlich außerordentlich groß und extrem weit verbreitet ist.
Und zwar noch wesentlich mehr, als man annehmen würde, denn:
Wenn es stimmt, dass unter den Spam-Inhalten am ehesten die erfolgreichen "überleben", scheint es zumindest unter jenen Menschen, die eine E-Mail-Adresse haben, nichts, aber auch gar nichts zu geben, was wichtiger ist!
Jedenfalls im statistischen Mittel.

Und diese Erkenntnis ist dann doch, nun ja, ziemlich interessant.

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Dienstag, 4. November 2008
Barack Obama ist nicht schwarz
Normalerweise liegt man ja sehr wahrscheinlich falsch, wenn die ganze Welt etwas behauptet und man als Einziger anderer Meinung ist.
Aber in diesem Fall, hm...
Nein, ich bin absolut sicher, dass ich mich nicht irre.

Also, in aller Klarheit:
BARACK OBAMA IST NICHT SCHWARZ.

Nicht, was seine Hautfarbe betrifft (wenn meine Eltern von ihrem Italienurlaub zurück kommen, sind sie schwärzer) und auch nicht in Bezug auf seine Herkunft.

Dieser Mann hatte nun einmal einen Vater, der aus Afrika stammt und eine Mutter, die man auch in den USA absolut zweifelsfrei als "Weiße" einordnet.

Deshalb ist es ausgeschlossen, dass Obama "schwarz" ist. Ebenso, wie es ausgeschlossen ist, dass er "weiß" ist. Beides ist ebenso falsch wie es richtig ist und deshalb könnte man mit der exakt gleichen Gültigkeit Obama in den Medienberichten als "den weißen Präsidentschaftskandidaten" bezeichnen.

Aber niemand tut das.
Und das finde ich, gelinde gesagt, höchst eigenartig.

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Montag, 3. November 2008
Maß und Ziel
Obwohl das jetzt schon eine Woche zurück liegt, beschäftigt mich immmer noch der Fall jenes Wiener Straßenbahnfahrers, der im Zuge einer ausgelassenen Feier eine Lautsprecherdurchsage - laut Video verifizierbar eindeutig scherzhaft - mit den Worten "Sieg Heil" ergänzt hat.

Der Mann wurde nicht nur entlassen, sondern muss auch mit einem Verfahren wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung rechnen, was in Österreich sehr ernste Konsequenzen haben kann.

Eine angeheiterte Dummheit, die eigentlich mit einer öffentlichen (und auch unmittelbar erfolgten) Entschuldigung erledigt sein sollte, hat diesen Mann nicht nur den Arbeitsplatz gekostet, sondern bringt ihn möglicherweise sogar ins Gefängnis.
Unverkennbar sind das Methoden eines totalitären Staates, der die auch scherzhaft gemeinte Äußerung ganz bestimmter Inhalte mit drakonischen Strafen belegt. Bekannt aus Militärdiktaturen. Also frage ich mich, was solche Methoden in einem Staat wie Österreich zu suchen haben, vor dem ich seit diesem Tag eine deutlich geringere Achtung habe.

Und ich frage mich ernsthaft, ob ich in einem solchen Staat leben will. Und merke dazu an, dass ich seit Jahrzehnten ein linksliberal orientierter Grünwähler bin und nicht vorhabe, das deshalb zu ändern.

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Dienstag, 28. Oktober 2008
Wer feiert, lebt
Übrigens: Geburtstage sind zum Feiern da.
Nur, um das nie wieder zu vergessen.

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Dienstag, 21. Oktober 2008
Blinkende Lichter, flirrende Schatten,
dunkler Asphalt schluckt Nachtgestalten.

Ein Windhauch, ein Duft, ein Wirbel im Grau,
Stille erschüttert altbrüchigen Bau.

Wärme umhagt zittriger Vögel Gefieder,
die Abende wachsen,
und Sehnsucht singt ihre Lieder.

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Montag, 6. Oktober 2008
Noch immer neige ich unbewusst dazu, das Terrain zu überfliegen, um nur ja nicht über allfällige Steine zu stolpern.

Mit dem Nachteil, dass ich dadurch den Boden nicht unter meinen Füßen spüre, seine Feinstruktur, Beschaffenheit und Temperatur, die leichten und schweren Beben, die ihn manchmal erzittern lassen, das Gras, den Regen und den Schnee, den heißen Sommerasphalt und die kleinen Steine, die die Fußsohlen so angenehm massieren.

Mal sehen, was es so alles gibt, da unten.

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Freitag, 3. Oktober 2008
Herbst
"Ein Gefühl der Wehmut ist es, welches die Betrachtung der Kastanienernte erweckt; es ist ja die letzte Frucht des Jahres, die nun eingeheimst wird, der Abschied von der schönen Sommerzeit tritt nahe heran. Unwillkürlich muss ich beim Anblick der Marroni stets an Frost und Kälte denken."

Dieses ein Jahrhundert alte Zitat des österreichischen Erzherzogs und Freigeists Ludwig Salvator verbindet mich mit einer lange vergangenen Zeit, deren Empfindungen mit meinem Bewegungsfluss schwingen, wenn ich in diesen Tagen mit dem Fahrrad unter diesem einen Kastatanienbaum vorbei ziehe, den auf dem Weg liegenden Kastanien ausweiche, überlege, ob ich gerade heute ein paar davon mit nachhause nehmen soll und dabei mit meinem Kopf das tief hängende Blattwerk streife.

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Freitag, 26. September 2008
Wednesday Morning, 3 a.m.
Hello darkness, my old friend,
I've come to talk with you again,
Because a vision softly creeping,
Left its seeds while I was sleeping,
And the vision that was planted in my brain
Still remains
Within the sound of silence.

In restless dreams I walked alone
Narrow streets of cobblestone,
neath the halo of a street lamp,
I turned my collar to the cold and damp
When my eyes were stabbed by the flash of
A neon light
That split the night
And touched the sound of silence.

And in the naked light I saw
Ten thousand people, maybe more.
People talking without speaking,
People hearing without listening,
People writing songs that voices never share
And no one deared
Disturb the sound of silence.

Fools said I, you do not know
Silence like a cancer grows.
Hear my words that I might teach you,
Take my arms that I might reach you.
But my words like silent raindrops fell,
And echoed
In the wells of silence.

And the people bowed and prayed
To the neon God they made.
And the sign flashed out its warning,
In the words that it was forming.
And the signs said, the words of the prophets
Are written on the subway walls
And tenement halls.
And whisperd in the sounds of silence.

(Simon & Garfunkel, 1964)

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Aktualisiert: 2008.11.11, 19:12
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